So fühlt sich also eine Dampfwalze an, die mich 90 Minuten lang überrollt. Mit dem Anpfiff sind all meine Hoffnung und guten Gedanken auf dem Weg nach Valencia. Dort will man dem Anfangsdruck der ersten 20 Minuten überstehen um dann aus eigener Kraft für Punkte zu sorgen. Wie absurd die Idee zu diesem Zeitpunkt erscheinen wird, ist mir noch nicht bewusst. Weil da scheppert es auch schon: 1-0. Das ging aber schnell. Diese Strategie können wir uns in die Haare schmieren. So schlimm ist das noch nicht, das Konzept des einem-Rückstand-hinterherlaufen hat uns in der Qualifikation begleitet, sehr erfolgreich.

Herr Ober, ein Bier bitte. Der Durst. Noch nicht serviert, schon kracht es das zweite mal. Minute 10. Uff. Zoki pfeift und dirigiert. Was jetzt? Die Tore waren kein Zufall, die Überforderung offensichtlich. Bier ist endlich da. Ein großes zum Festhalten. Gerade wundere ich mich noch, warum Kainz rechts hinten aushilft, schon findet die geschlagene Flanke einen Abnehmer und den Weg ins Tor: 3-0. Herr Ober!

Nach 25 Minuten sind alle Hoffnungen beim Teufel, die Mannschaft zerlegt und Zoki möchte im Erdboden versinken. Die tiefer gelegte Trainerbank muss reichen. Der Schock sitzt, leerer Blick. Herr Ober! Während ich noch sinniere und die Bitterkeit des Abends erkenne schlägt mir das 4-0 ins Gemüt, nur 4 Minuten später. Ich beginne zu extrapolieren und weine still ins Glas. Zoki kontrolliert, ob er nicht doch ein Loch im Boden übersehen hat, versinken wäre jetzt schön. Das Mannschaftsgefüge aufgelöst. Jubelnde Spanier gestikulieren nach dem Torerfolg Schlumpfmützen (oder  Narrenkappen?). Und Schnuller. Wer sowas macht sollte von internationalen Bewerben ausgeschlossen werden. Ach was sag ich: überhaupt ausgeschlossen von allem. Und vom Erwachsensein. Herr Ober, Zoki braucht a Schaufel und mir bringen’s bitte no a Krügerl.

Das 5-0 nehme ich schon etwas benommen wahr. Ebenso den Wechsel des Kapitäns in der Nachspielzeit der ersten(!) Spielhälfte. Mit einem Kopfnicken zur Trainerbank trollt er sich in die Kabine. Absurd.

Zweite Halbzeit, die Spanier haben genug und begnügen sich damit uns das Spiel zu überlassen. Solang es nicht im eigenen 16er stattfindet. Manche Beobachter deuten dies als gute zweite Halbzeit. Echt jetzt? Das finale 6-0 nehme ich schon illuminiert wahr, durch einen Schleier aus Alkohol und Trostlosigkeit. Langsam macht sich Boshaftigkeit breit, ein Lebenszeichen. Endlich ist die Tortur vorüber. Mit einem wortlosen Kopfnicken trollen sich meine Leidensgenossen. Bis zum nächsten mal. Trotzdem stolz.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion von Forza Rapid.

1 Kommentar

  1. Eine feste Watschn war das. Aber was soll’s. Rapid hat die Gruppenphase überstanden.
    Und das ist nicht nichts. Die Niederlage schmerzt. Hat geschmerzt. Und tut gut. Zwar
    nicht Rapid – aber dem Nationalteam. Denn die Hoffnungen so mancher, die unser
    Team schon im Finale sehen, sind nun ein wenig relativiert worden, die Gefahr, dass
    man dann doch in Frankreich zu enttäuscht wird, entkräftet. Umso schöner wird es
    sein, wenn dann unser Alaba im Finale den Deutschen die Wuchtl ins Netz drückt.
    Yeah!

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