Der vergangene Donnerstag wird in erster Linie aufgrund des erfolgreichen Europa-League-Auftakts gegen Genk in die grün-weißen Annalen eingehen. Was ein wenig unterging: Mit Dejan Savićević feierte eine der schillerndsten Figuren der Vereinsgeschichte am 15. September seinen 50. Geburtstag.

Eine Zeitreise zurück in den Sommer 1999: Rapid bereitet sich gerade auf die Feierlichkeiten rund um das 100-jährige Vereinsjubiläum vor. Die Mannschaft rund um Ladi Maier, Ratajczyk, René Wagner, Pürk und Co hatte soeben im Titelrennen äußerst knapp den Kürzeren gegenüber Sturm Graz gezogen. Einen Führungsspieler, wie es ein gewisser Ivica Vastić bei Sturm war, vermisste man bei Rapid an manchen Tagen schmerzlich. In der Jubiläumssaison sollte nun mit einem Leadertypen von Format der Titel in Angriff genommen werden. Dabei wurde immer öfters ein Name von Welt kolportiert: Die AC Milan-Legende Dejan Savićević soll vor einem Transfer von Roter Stern Belgrad zu Rapid stehen! Selbst als 10-jähriger Volksschüler schenkte ich der damals noch existenten Regenbogenpresse in Form von Täglich Alles kein Vertrauen. Warum sollte ein Spieler wie Savićević nach Hütteldorf wechseln? Plötzlich war er wirklich da: Der montenegrinische Weltstar, der jahrelang die Serie A verzauberte, unterschrieb nach langwierigen Verhandlungen am Tag der offenen Tür tatsächlich in Hütteldorf. Der Trikotverkauf erreichte neue Sphären, der Trikotaufdruck des neuen Superstars war wochenlang vergriffen. Umso stolzer war ich, als meine Mutter raschest ein Trikot mit der Nummer 10 auftreiben konnte. Es hat bis heute selbstverständlich einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.

Gänsehautfeeling, als Savićević vor einer für damalige Verhältnisse äußerst großen Kulisse von 12.600 Zuschauern gegen Bregenz erstmals als Wechselspieler in Minute 61 unter Standing Ovations das Feld betritt. Naturgemäßer Einstand mit dem 2:0 per Elfmeter als krönenden Abschluss. „Dejan Savićević“-Gesänge zur Melodie von „La Donna É Mobile“ hallten durch den Westen Wiens. Bereits in den ersten 30 Minuten im Rapid-Trikot konnte auch der Nicht-Fußballaffine erkennen, dass es der große Ballzauberer vom Balkan noch immer kann und definitiv den Unterschied in dieser Mannschaft (und Liga) ausmacht. Nie war der Unterschied so markant, wie im richtungsweisenden Spiel gegen Sturm Graz am Ende der Saison 1999/2000. In einem gut gefüllten Prateroval führte Rapid nach 10 Minuten gegen den amtierenden Meister durch 2 Tore von Savićević bereits mit 2:0. Nach 38 Minuten musste der Doppeltorschütze verletzt das Feld verlassen – Rapid verlor ohne sein kreatives Hirn noch mit 2:3 und musste die letzten Titelhoffnungen begraben.

Im Laufe der Zeit hatte der unbestrittene Superstar der Liga leider seine Wehwehchen, die ihn nicht selten zum Pausieren zwangen. Sofern er jedoch am Rasen zu sehen war, so merkte man den Niveauunterschied in jeder einzelnen Sekunde. Nicht auszudenken, wie die Titelfights 2000 und 2001 mit einer fitten Nummer 10 ausgegangen wären. Noch heute wird gesagt, dass nicht immer Verletzungen bei ihm entdeckt werden konnten – Savićević bestand jedoch darauf, dass eine Maschine keinen Schmerz entdecken kann.

Eines Tages erspähte ich unsere damalige Nummer 10 bei Kaffee und Kuchen samt Schlagobers im Schanigarten einer Bäckerei auf der Mariahilfer Straße. Um 13:00 Uhr an einem Samstag. An sich nichts Außergewöhnliches, jedoch hatte Rapid um 15:30 Uhr ein Heimspiel im Hanappi-Stadion zu bestreiten. Im Autoradio lauschte ich dem Spielverlauf, in der 40. Minute die Hiobsbotschaft: Dejan Savićević musste aufgrund von Krämpfen das Spielfeld verlassen. Als absoluter Verehrer von Il Genio glaube ich bis heute an das Gute und spekuliere nicht über Krämpfe in der Magengegend.

Leider blieb ein Titel in Grün-Weiß schlussendlich versagt, ehe sich im Sommer 2001 der Vorhang zum letzten Akt einer großen Karriere schloss. Trotz dieser kurzen Ära in Hütteldorf werden die Geniestreiche aus 2 Jahren bei Rapid jedem Grün-Weißen in bester Erinnerung bleiben.

Viele große Namen hatten die Ehre, das Rapid-Trikot überzuziehen. Aber keiner übertrifft wohl vom Namen her den großen Dejan Savićević. In diesem Sinne: Tanti Auguri, Il Genio!

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