Mit dem Match gegen die Admira wurde das dritte Saisonviertel beschlossen und die Mannschaft hat es geschafft die kleine Saat möglicher Euphorie in Tränen zu ertränken. Im Schatten der ernüchternden Niederlagen gegen Valencia und der bitteren Cup-Pleite hatte sich Rapid in der Meisterschaft in eine super Ausgangslage für das letzte Saisonviertel gebracht. Fünf Siege und ein Remis als klar bessere Mannschaft war die erfreuliche Ausbeute der ersten sechs Frühjahrsrunden. Dann kam die Admira und einmal mehr bewiesen die Südstädter, dass Architekt Lederer – den Baumeister kann man getrost vernachlässigen – das System Barisic geknackt hat. Allerdings lässt sich die Darbietung der Spieler nur schwer über Strategie und Taktik erklären. Wie unsere Führungsspieler sich in schwierigen Situationen präsentieren ist fast unerträglich. Es kann doch nicht sein, dass unser Team derart auseinander fällt, wenn es kurz mal nicht nach Plan läuft. Die Reaktion der Spieler nach den frühen Gegentoren in Valencia und gestern gegen die Admira zeugen nicht unbedingt von dem Charakter, den man sich von Rapidspielern erwartet. Wenn dann noch wehleidige Hinweise auf die bösen Stimmen von außen (wie im Anschluss an das Valencia-Debakel zu hören) folgen, dann fragt man sich als Außenstehender schon, welche Vorstellung die Spieler von der deutschen Bundesliga oder anderen internationalen Topligen haben. Jene Ligen, in denen selbst Abstiegskandidaten scheinbar unwiderstehliche Adressen darstellen. Viel Vergnügen mit der Bild-Zeitung kann man da nur wünschen.

Verwirrend finde ich nun aber auch die Statements der Vereinsführung. Nachdem man in Valencia sang-, klang- und chancenlos untergegangen war, verkündete man trotzig das Rückspiel gewinnen zu wollen. Ein wenig realitätsfern wie sich dann im Spiel zeigte, aber gut, Trotz ist wenigstens eine Reaktion. Angesichts der jetzigen Ausgangslage, den Spielern nahezulegen das Wort „Meistertitel“ nicht mehr in den Mund zu nehmen, wirkt aber fast wie der nächste Freifahrtschein. Jetzt betont man eh schon die ganze Saison über, dass man nur „von Spiel zu Spiel schaue“ und jetzt dürfen die Spieler nicht einmal mehr daran denken Meister zu werden? Man beginnt sich zu fragen, wer denn in dem Verein (außer den Fans) Meister werden will.

Hallo!? Uns fehlt ein Punkt bei neun ausstehenden Runden und der größte Konkurrent hat gestern einen geschenkten 1:0 Vorsprung gegen einen Abstiegskandidaten in Unterzahl nicht über die Zeit bringen können. Mund abwischen, weitermachen, es ist noch nichts verloren! Die Mannschaft steht nicht zufällig auf dem Tabellenrang, wo sie steht. Der Einzug in die EL-Gruppenphase war kein Lotteriegewinn, der anschließende Gruppensieg keine Eintagsfliege. Besinnt euch eurer Stärken und kämpft um diese Chance!

Das letzte Saisonviertel war darüberhinaus zuletzt eine große Stärke der Barisic-Mannschaft. Letzte Saison konnte man mit fünf Siegen und vier Remis die punktegleichen Altacher im Kampf um den CL-Platz abschütteln. Im Jahr davor gelang dank sieben Siegen und zwei Unentschieden sogar der Sprung von Rang 4 auf 2. Heuer fehlt also ein lächerlicher Punkt vor dem finalen Saisonviertel. Die direkten Konkurrenten Salzburg und Austria empfängt man dabei zu Hause, sogar die Fahrt nach Graz erspart man sich. In Altach waren wir auch schon, nur die letzte Runde bereitet dem Rapidfan spontane Bauchkrämpfe. Da muss Rapid noch einmal in die Südstadt. Aber da war doch was vor fast 11 Jahren!?

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