Dieses Buch wird niemandem gefallen, den Intellektuellen nicht, die sich nicht für Fußball interessieren, den Fußballliebhabern nicht, die es zu intellektuell finden werden. Aber ich musste es schreiben, ich wollte nicht den zarten Faden zerreißen, der mich noch mit der Welt verbindet.

Der Genuss eines Buches liegt oft im Beenden. Wenn der Buchdeckel zuklappt und das Gefühl bleibt wie dampfender Asphalt nach einem Sommerregen. Wenn einem Autor das bei mir gelingt, hab ich ihm viel zu verdanken. Ähnlich erging es mir bei „Fußball“ von Jean-Philippe Toussaint.

Toussaint erzählt von seiner Beziehung zum Rasensport. Es ist eine liebevolle, im Detail liegende Beziehung. Sie findet lange vor dem Spiel statt, bei Betreten des Stadions, beim Hören einer Spielübertragung im Radio. Beim Lesen war mir der Auswärtssieg in der zweiten UEFA-CUP-Runde 1989 gegen den FC Brügge gegenwärtig, bei dem ich 1000 Tode sterbend vor dem Radio mitfieberte. Doch zurück zu Toissaint. Seine Liebe ist melancholisch und sie schwindet. Er reflektiert seine Hingabe zum Fußball anhand der Wahrnehmung der einzelnen Weltmeisterschaften seit 1998.

Ich tue so, als schriebe ich über Fußball, aber ich schreibe, wie immer, über die Zeit, die verrinnt.

Seine Kraft bezieht das außergewöhnliche Werk aus der zärtlichen und gewandten Sprache. Mit Sicherheit ist das französische Original eingängiger. Das dünne Büchlein ist womöglich keine Weltliteratur, aber zumindest ein bemerkenswerter Außenposten im Kanon der Fußballliteratur.

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