Michael Konsel wird in Rom immer noch als einer der größten Legionäre aller Zeiten verehrt. Wir haben mit „Er Panters“ in unserer Ausgabe #6 über seine Zeit in Wien und Rom, seinen Wechsel zu Venedig und ein mögliches Comeback in Hütteldorf gesprochen.

Beginnen wir in Hütteldorf. Wie sind Sie zu Rapid gekommen?
Ausschlaggebend war wahrscheinlich meine Leistung beim Stadthallen-Turnier mit der Vienna, damals noch als Halbprofi. Da sind eigentlich alle auf mich zugekommen, auch die Austria, aber für mich war das kein Thema, weil ich ein Grün-Weißer war.

Bei Rapid sind Sie dann recht schnell zu Einsätzen in wichtigen Spielen gekommen.
Das ist wahrlich rasch gegangen, nach einem Meisterschaftsspiel (Anm.: 6. April 1985, Rapid vs. Innsbruck, 1:1) stand ich im Europacup-Semifinale (Anm.: 10. April 1985, Rapid vs. Dynamo Moskau, 3:1) zwischen den Pfosten. Ich habe gleich gemerkt, dass ich gut mit diesen Druck- situationen umgehen kann. Auswärts war ich mit Antonín Panenka im Zimmer, wo ich gleich einiges für meine Zukunft lernen konnte. Zwei Stunden vor dem Match legte er sich in die lauwarme Badewanne, was ja bekanntlich eher ermüdend als anregend wirkt. Auf Nachfrage erklärte er mir, dass dies zu seinem Aufwärmprogramm gehöre, um die Gelenksschmerzen zu lindern. Der Erfolg gab ihm recht, er schoss bekanntlich das wichtige Auswärtstor zum 1:1 in Moskau. Ich dürfte Otto Bari´c in diesen wichtigen Spielen soweit überzeugt haben, dass er mich auch im Finale aufstellte. Leider war Everton dann eine Nummer zu groß. Das war elf Jahre später anders, Paris wäre eventuell zu schlagen gewesen.

In seinen zwei Jahren bei der Roma brachte es Michael Konsel zu 41 Spielen – ein Angebot zur Vertragsverlängerung lehnte er 1999 ab.

Sind Sie Peter Schöttel noch böse, dass er Bruno N’Gotty’s Freistoß zum spielentscheidenden 1:0 für Paris abfälschte?
(lacht) Nein, das war mehr als unglücklich, der „Schötti“ hat in der Situation einfach abwehren wollen. Wir haben im Gegensatz zu Paris auch sehr wenig Torchancen gehabt, unverdient haben sie nicht gewonnen. Leider habe ich so beide Finali verloren, bin aber trotzdem stolz, in zwei Endspiele mit Rapid gekommen zu sein. Das hat meines Wissens sonst in Österreich nur der Heribert Weber geschafft, allerdings mit Rapid und Austria Salzburg.

Apropos, wie war die Stimmung im Team damals? Waren Sie in der Krankl- oder Weber-Partie?
Ich habe ja mehrere Generationen miterleben dürfen, war zwölf Jahre bei Rapid. Es hat schon Partien gegeben, aber die habe ich als Tormann nicht so wahrgenommen. Krankl hat sich sehr um mich gekümmert. Der Strasser von der Vienna (Anm.: Heinrich Strasser war Nationalspieler Österreichs, unter anderem bei der WM 1978, und 2009 Krankls Co-Trainer beim LASK) war mit dem Krankl gut befreundet und hat ihn gebeten, sich um mich zu kümmern, was er auch tat, wofür ich ihm sehr dankbar war. Weber war mein Abwehrchef und damit sowieso wichtig für mich. Diese Gruppenbildung hat es auch nur außerhalb des Feldes gegeben, sonst hätten wir nicht diese Erfolge gehabt.

 

„Trotz aller Liebe zu Rapid musste ich mir die Serie A, mit allen Superstars wie Ronaldo oder Zidane, einfach geben.“

 

Wie war Ihr Verhältnis zu Konkurrent Herbert „Funki“ Feurer?
Zu Beginn waren natürlich Spannungsfelder da, aufgrund der Konkurrenzsituation. Aber es war ein korrektes Verhältnis, er war ja auch schon kurz vor dem Aufhören und hat mich dann super unterstützt. Und relativ bald war er dann ja mein Trainer, der Beste, den ich je hatte. Mir hat er sehr geholfen, auch später im Nationalteam. Wir hatten ganz neue Trainingsmethoden, teils revolutionäre Ansätze …

… was zu tollen Leistungen führte und auch die Aufmerksamkeit internationaler Großklubs mit sich brachte. Wie ist es dann zum Roma-Transfer gekommen?
Eigentlich war die Champions League-Teilnahme damals entscheidend. Da habe ich mit Rapid gegen Juventus, Fenerbahçe Istanbul und Manchester United gespielt und bin mit meinen Leistungen aufgefallen, vor allem gegen „Juve“ (Anm.: 16. Oktober 1996, 1:1) ist mir alles aufgegangen. Dort hat damals Alen Bokši´c gespielt, der an meinen Paraden, vor allem beim Spiel in Wien, regelrecht verzweifelt ist. Der hat dann für mich quasi Werbung gemacht, indem er sagte, er hätte noch nie gegen einen so guten Tormann gespielt. Das war sicher ein Mitgrund für die Aufmerksamkeit der italienischen Vereine.

Die Serie A galt damals als stärkste Liga der Welt.
Genau, und Spieler aus dem fußballerisch kleinen Österreich wurden eigentlich nicht mit allzu großer Aufmerksamkeit bedacht. Nach der Champions League-Teilnahme bin ich dann aber für Italien interessant geworden, hatte einige Anfragen verschiedener Klubs, die konkretesten vom AC Milan und der AS Roma. Zwar fühlte ich mich bei Rapid und in Österreich sehr wohl und hatte bei Rapid einen sogenannten „Pensions-Vertrag“ unterschrieben, allerdings mit der Einschränkung, dass ich, wenn alles passen würde, noch ins Ausland wechseln kann. Bei der AS Roma hat mich dann 1997 wahnsinnig gereizt, jede Woche quasi ein Champions League-Spiel zu haben, denn von der Wichtigkeit und dem Publikums- interesse her konnte man die italienischen Meisterschaftsspiele durchaus damit vergleichen. Nachdem mir diese Herausforderung, gegen die Besten zu spielen, schon bei internationalen Spielen Rapids oder mit der Nationalmannschaft getaugt hat, war das einfach der ideale Verein. Trotz aller Liebe zu Rapid musste ich mir die Serie A, mit all den Superstars wie Ronaldo oder Zidane, einfach geben. Es war keine wirtschaftliche Entscheidung, vom finanziellen war es keine Verbesserung zu meinem Pensionsvertrag, aber ich unterschrieb für zwei Jahre.

Im weiteren Gespräch (hier geht’s zur Ausgabe #6) erzählt Michael Konsel u.a. über seine Anfänge in Italien, den Wahnsinn in Rom, seinen Wechsel nach Venedig und ein mögliches Comeback in Hütteldorf als Tormann-Trainer.

 

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