Noch unter dem Eindruck des sonntäglichen Derbys stehend, setze ich mich an den Schreibtisch, um diese Zeilen zu verfassen. Das war ja in der Tat ein erquickliches Spiel, endlich den Erzrivalen besiegt und deutlich dazu, und selbst der Umstand, dass, wie meine Abofreunde nicht vergaßen zu betonen, selten eine so schlechte Austria zu sehen war, konnte unserer Freude und Genugtuung keinen Abbruch tun. Zudem sagt mir ein Blick auf die Tabelle, dass die Europa League für unsere Rapid de facto fix ist und die Qualifikation für die Champions League mehr als wahrscheinlich – der Dorfklub aus dem Ländle ist schon weg und Sturm Graz kann es de facto wohl auch nicht mehr schaffen.

Alles bestens also? Ja und nein. Natürlich freuen wir uns, dass unser Klub wieder in Europa sichtbar werden wird, natürlich verbinden wir damit die Hoffnung auf schöne Spiele gegen interessante (und auch weniger interessante) Gegner und auf den einen oder anderen Sieg in der Kategorie Aston Villa oder HSV. Andererseits, und hier wird die Sache etwas heikel, treten wir damit – wie auch immer bescheiden und randständig – in die Welt des großen, modernen und vom Geld bestimmten Fußballs ein. Es sind nicht die schlechtesten unter den Rapid-Anhängern, die – wie ich meine zu Recht – immer wieder ihre Kritik an den Prozessen der Kommerzialisierung des Spiels lautstark äußern und ihre gemeinschaftliche und gar persönliche Teilhabe an der Idee Rapid formulieren. Wie aber geht das zusammen? Zum einen soll ‚unser‘ Verein unser Verein bleiben, zum anderen im Chor der ‚seelenlosen‘ Großklubs mitsingen. Wollen wir nicht den diesjährigen Tabellenplatz des violetten Erzrivalen anstreben, werden wir diesenWiderspruch wohl aushalten müssen.

Dass es auch unter den erfolgreichsten Klubs solche gibt, die dies auf höchstem Niveau schaffen, zeigt der FC Barcelona – der ist nicht nur ein gigantisches Sportunternehmen, sondern (immer noch) auch ein Ausdruck katalanischer Unabhängigkeit, ja Widerständigkeit.

PS: Leicester bleibt in der Premier League!

Bildcredit: Freepik

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion von Forza Rapid.

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