Hans Krankl ist der „Mr. Rapid“ schlechthin. Der am 14. Februar 1953 geborene „Jahrhundert-Rapidler“ hat in Hütteldorf und Österreich sämtliche Torrekorde revolutioniert und auch in der großen Fußballwelt und als Teamkicker für Schlagzeilen gesorgt. Mit 267 Liga-Toren und 51 Cup-Treffern ist „Hanseee“ der beste SCR-Goalgetter der Neuzeit, seine 18 Europacup-Tore sind überhaupt unangefochtener Bestwert. Ganze viermal ballerte sich Krankl im Rapid-Dress zum Torschützenkönig – in der Saison 1977/78 stellte die Hütteldorfer Stürmer-Ikone mit 41 Treffern zudem einen bis heute unerreichten Bundsligarekord auf, der Krankl den „Goldenen Schuh“ einbrachte. Nach dem legendären WM-Doppelpack gegen Deutschland in Cordoba wechselte der Vollblut-Stürmer zum FC Barcelona, wo er als Torschützenkönig zum „Goleador“ geadelt wurde. Zurück bei Rapid feierte er seine größten Erfolge mit dem SCR – zwei Meistertitel, drei Cuperfolge und das Finale im EC der Cupsieger. Als Trainer waren Krankls Erfolge überschaubarer, sei es als Rapid-Coach, ÖFB-Teamtrainer oder Betreuer diverser anderer Mannschaften – auch wenn das relativ ist. Erfolgreich war der „Nachtfalke“ in jedem Fall auch als Johann K. – unter diesem Künstlernamen feierte Krankl 1986 Platz zwei in der Ö-Hitparade mit „Lonely Boy“.ären WM-Doppelpack gegen Deutschland in Cordoba wechselte der Vollblut-Stürmer zum FC Barcelona, wo er als Torschützenkönig zum „Goleador“ geadelt wurde. Zurück bei Rapid feierte er seine größten Erfolge mit dem SCR – zwei Meistertitel, drei Cuperfolge und das Finale im EC der Cupsieger.

Hans Krankl

By Hans van Dijk / Anefo (Nationaal Archief Fotocollectie Anefo) [CC BY-SA 3.0 nl], via Wikimedia Commons

Ich treffe Hans Krankl im Wirtshaus „Zum Obermüller“ beim Südwestfriedhof. Dort, wo die Legende ihren eigenen Stammtisch hat. Das Erscheinungsbild des „Dressman“ ist wie immer perfekt – ganz in schwarz gekleidet sitzt er vor mir, das gepflegte graue Haupthaar und die schöne goldene Rolex setzen glänzende Kontrapunkte. Beim Gespräch wird mir klar: Hans Krankl mag eitel sein, aber arrogant ist er mit Sicherheit nicht!
Nach einer kleinen Aufwärmphase läuft der seit Gerhard Hanappi längstdienende Kapitän Rapids positiv heiß und erzählt Geschichten, die mich komplett in ihren Bann ziehen. Die Liebe, die ich meinem Jugend-Idol als Kind entgegengebracht habe, sie ist wieder entflammt! Mit einer irrsinnig launigen Erzähllust begegnet Krankl mir, dem Rapid-Fan mit der quälend langen Fragen-Liste. Nach knapp anderthalb Stunden ist das herzöffnende Gespräch vorbei, mein Gegenüber verabschiedet sich und wirkt dabei nicht wirklich malträtiert. Meine Zeche muss ich bei der freundlichen Chefin auch nicht zahlen. Ich frage mich, was als nächstes kommt… ach ja, zum Beispiel das Forza Rapid-Quartett „Die legendärsten Torjäger Hütteldorfs“… und dort ist er ja auch die absolute Nummer 1, der Hans Krankl.

An die Arbeit, Herr Krankl! Es gibt bei Ihnen viel aufzuarbeiten – Sie haben ja Dinge in Ihrer Vita stehen, die locker für fünf Leben reichen würden. Gemeinsam mit Herbert Prohaska, Anton Polster und Andreas Herzog sind Sie ja eine absolute Ikone des österreichischen Fußballs. Welche Bedeutung haben Sie für den alpenrepublikanischen Kick?
Sich selbst einzuschätzen ist problematisch. Meinen Stellenwert sollen andere beurteilen. Ich bin ein Kind des österreichischen Fußballs, ein Kind von Rapid. Aber meine Wurzeln kennt man ja – die brauche ich jetzt nicht durchzukauen. Ich hatte eine schöne Karriere, habe zwei Jahre beim besten Fußballklub der Welt gespielt. Nach meiner Rückkehr zu meinen Wurzeln habe ich mich als „alter Kicker“ noch etwas verändert, zumeist bei Traditions-Vereinen in Wien. Dann habe ich mit einem „Salzburger Märchen“ einen wunderbaren Abschluss gefunden. Das war jetzt der Zeitraffer. Alle Auszeichnungen brauche ich hier nicht aufzuzählen, weil das ja ohnehin alle wissen. Was für einen Stellenwert das alles hat? Für den österreichischen Fußball habe ich sicher einiges geleistet und versucht, ihm zu helfen. Sowohl als Spieler als auch als Trainer. Aber welchen Wert das auch gegenüber den anderen Gallionsfiguren hat, das sollen andere beurteilen. Ich bin stolz auf meine Karriere, bilde mir aber darauf nichts ein.

Sie polarisieren wie kaum ein anderer Fußballer. Fühlen Sie sich denn von der Öffentlichkeit geliebt?
Polarisiert habe ich sicher immer. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich immer wieder mit dem Namen Rapid zusammenkomme, weil ich der Jahrhundert-Rapidler bin und Rapid niemandem egal ist. Man ist entweder für den SCR oder dagegen. Dadurch habe ich auch immer bis zum Ende die Meinungen der Leute gespalten. Ich muss aber auch sagen, dass mir als Teamchef sehr viele Sympathien entgegengebracht worden sind, weil die Leute gesehen haben, dass ich diesen Job mit einem Riesen-Herz für mein Land mache. Das Nationalteam ist etwas besonderes, wie Rapid – und das habe ich auch gezeigt. Als Teamchef habe ich nicht so polarisiert, wie ich es als Rapid-Spieler oder als Trainer irgendeines anderen Vereins getan habe. Sehr, sehr viele Leute sind hinter mir und meiner Arbeit gestanden. Leider ist das Ganze früher als geplant zu Ende gegangen, das ist schade. Aber im Fußball ist es halt so, dass einer kommt und einer geht. Trotzdem habe ich damals sehr viel Zustimmung erhalten, und darauf bin ich stolz.

 

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