Wenn ich Rapid-Spiele nicht live mitverfolgen kann, sondern nur von daheim über das Fernsehkasterl, zeige ich ein sehr seltsames und abergläubisches Gebaren. Sobald ich nämlich eine Sitzposition kurz vor Spielbeginn eingenommen habe, darf ich sie nicht mehr verändern, sonst verliert die Rapid. Klingt zwar ziemlich deppert, war aber wirklich oft schon so. Im Juli vor einem Jahr stand Rapid Wien gegen Ajax Amsterdam am Programm und ich war den ganzen Tag schon nervös, zwang mich aber dazu, nicht allzusehr an das Spiel zu denken, weil ich ebenfalls die Erfahrung gemacht habe, dass dann Rapid gern verliert. Jedenfalls erfolgte der Anpfiff. Ich mache den Fehler, ziemlich unbequem zu sitzen – und halte dennoch die Position, bis zur 20. Minute ungefähr. Dann kann ich nicht mehr, mein rechtes Bein schläft mir ein und ich muss mich umsetzen. Prompt folgt der erster Konter der Niederländer. 1:0. Ich bin mir sicher: Wäre ich sitzen geblieben, dann wäre dies natürlich nicht passiert. Zwanzig Minuten später das zweite Malheur, Kopfball Klaassen, die grünweiße Abwehr steht zwar irgendwo, nur nicht richtig, ich sitze zwar, aber eben auch nicht mehr richtig so wie zu Beginn und ärgere mich maßlos und verfluche mein Bein. Zweite Hälfte, vorsorglich wähle ich eine einigermaßen bequeme Sitzposition. Und halte 45 Minuten lang durch. Das, was darauf passiert, kennen wir: Rapid gleicht aus und beweist unglaublichen Kampfgeist. Beim Rückspiel in Amsterdam rühre ich mich deswegen keinen Millimeter, nur bei den Toren springe ich herum wie ein Kasperl, um nur gleich wieder die altbewährte Siegesposition einzunehmen. Der Erfolg gibt dem Aberglauben wieder recht, Euro-Luis schießt Ajax aus dem Stadion und Rapid in den Gruppenhimmel.

Nur bei den kleinen, bei diesen unseligen und verhassten Vereinen, die uns Fans soviel Gesprächsstoff bescheren und der Rapid soviele Punkteverluste. Altach, WAC, Wolfsberg, Ried und wie zum Teufel sie alle heißen. Da hilft irgendwie auch das ganze Verharren nix, die eingeschlafenen Beine, die schmerzenden Oberschenkel. Vielleicht sollte ich es einmal mit dem Gegenteil versuchen und auf und ab hüpfen, herumturnen, Liegestütze oder so. Wie jetzt am Samstag gegen Altach. Ich werde mich bewegen, versprochen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion von Forza Rapid.

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