Tränen füllen ihre Augen. Mir wird sehr, sehr übel. Nachdem sie mir nochmals erklärt, warum sie sich nicht mehr im Stande sieht, die Beziehung weiter zu führen, fährt sie in der Straßenbahn davon und schaut mich noch lange an und ich sehe, dass sie nach wie vor weint. Zwei Tage später spielt Rapid gegen Sturm. Auswärts, also bei mir daheim in Graz. Jürgen Patocka trifft zum 1:0 für Rapid. Wir alle brüllen und lachen vor Freude. Mir bleibt dann das Lachen aber ein wenig im Hals stecken, weil ich sie ein paar Reihen unter mir entdecke. Da hat sie aber nicht mehr geweint, sondern gejubelt. Auch wenn ich mich dann nicht mehr so ganz auf das Spiel konzentrieren konnte, bekam ich doch noch am Rande mit, dass Jelavic noch ein Tor schoß und Sonnleitner vorzeitig duschen ging.

Eigentlich war sie am Anfang unseres Gspusis kein Fußballfan. Die grünweiße Liebe wurde erst durch mich entfacht, weil ich, nahezu manisch, bei ihr dasselbe unternahm wie bei jeder anderen. Waren die meisten meiner Verflossenen anfangs entweder nicht fußballbegeistert oder, schlimmer noch, Fans der schwarz-weißen Bagage, wurden sie durch mein geschicktes Spiel zwangsläufig immer zu überzeugten Grünweißen. Oft habe ich zu Beginn des Techtelmechtels ein „Hütteldorf? Mit mir nicht!“ oder ein „Niemals zu Rapid!“ vernommen. Ließ ich mich davon nicht abschrecken, also dann, wenn ich ganz arg verliebt war, spornte mich das nur an. Mit Liebe ändert sich eben vieles, die geht nicht nur durch den Magen, sondern auch über den Ball. Hintertückisch ließ ich mich nach Scheiß-Spielen und Niederlagen trösten, beständig und ruhig erging ich mich in Analysen, Gedanken über neue Spieler oder Hintergrundwissen zum Verein, euphorisch steckte ich sie mit meiner Freude über Siege an, überzeugend nahm ich sie schließlich mit zu knisternden, hinreißenden neunzig Minuten. Damals meistens noch in Graz oder manchmal auch in Kapfenberg oder cupmäßig in Allerheiligen. Irgendwann fieberten sie mit, fanden sogar den Patocka fesch und ich wusste, dass ich wieder einmal gewonnen hatte, mehr noch, dass Rapid gewonnen hatte. Mir gelang es bei allen. Heute ist meine Frau natürlich Rapidlerin und analysiert bei weitem mehr Spielzüge als ich. Mein Kindchen hat den grünweißen Strampler an und mein Schwager hat nun statt der schwarzweißen Fahne den grünweißen Schal im Kasten. Gekauft beim 2:1 Sieg gegen Minsk in Wien, wo er mit mir jubelte, umringt von vielen anderen Rapidlerinnen und Rapidlern, darunter weißgottwieviele Verflossene.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion von Forza Rapid.

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