Ich trinke gerade Kamillen-Tee. Mein Hals tut nämlich weh und ich habe keine Stimme. Das ist oft so nach dem Support und manchmal komme ich mir vor wie ein Weichei.  Als ich einmal Josef Hader interviewte, kam der vor dem Interview auch Kamillentee-trinkend in die Kabine und trällerte lustig vor sich hin. Er ist ja bekanntlicherweise nun ein Fan der Violetten. Trotzdem mag ich ihn ganz gerne. Vor allem eines seiner Lieder hat es mir sehr angetan: Ein ganz schönes mit dem Titel „Warum“. Auf zahlreiche Fragen der Kabarettfigur Hader gibt es nur eine Antwort: „Der Herrgott ist (…) eine alte Giersau, er nimmt und nimmt und gibt nichts her. Und wenn ich in mein letztes Bier schau‘, trink‘ ich es schnell, weil sonst trinkt’s er.“ Das war jetzt grässlich verdeutscht und ich kann auch mit absoluter Gewissheit sagen, dass Hader auf hochdeutsch ziemlich gewöhnungsbedürftig ist. Sein Schmäh geht da sehr verloren, ich habe ihn einmal in Berlin gesehen, da hat er sich gefreut, wie ich nachher zu ihm gegangen bin und ihn im Dialekt begrüßt habe. Jedenfalls hat Hader vollkommen recht, auch wenn er Austrianer ist: Der Herrgott ist und bleibt, sollte es ihn wirklich geben, a oide Giersau. Er nimmt gerade nämlich nur bei der Rapid, und hergeben tut er genau gar nichts. Ist das die Strafe dafür, dass das Rapid-Management so Möchtegern-Bayern mäßig nur mehr auf Geld, Vermarktung und Prestige bedacht ist? Ist das die Strafe, Karma, ein Wink mit dem grün-weißen Zaunpfahl, dass das eigentlich nicht Rapid ist, die Rapid nie so war, wir die Wurzeln nicht pflegen und ehren sondern komplett falsch düngen und versauen? Also nicht wir. Die Geschäftsführung. Der Präsident. Also nein, eigentlich doch auch wir, weil wir helfen ja mit, den Karren herauszuziehen. Oder so. Als ich heute heimfuhr, inmitten einer Meute besoffener und siegestrunkener Sturm-Fans, die laut Hurensöhne Rapid und H-H-Hurendorf und so weiter skandierten, war die Bim komplett voll, man musste sich nicht festhalten. Die Zuggarnitur trug die Nummer 666. Kein Witz.

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