Vom Spielfeld sehe ich aufgrund des Rauches geschätzte drei Prozent. Nachdem Tamás Szántó, der übrigens in Sopron, einer Stadt im Nordwesten von Ungarn, geboren wurde, den zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich irgendwie in die Maschen setzt, beginnt die eine Hälfte des Rapid-Fanblocks zu jubeln. Die andere, darunter auch ich, kennt sich aufgrund der schlechten Sicht nicht aus, bis endlich Gewissheit herrscht und wir uns alle die Erleichterung von der Seele brüllen. Sopron hat, das sei noch erwähnt, nicht nur zweisprachige Straßenschilder, sondern wurde in den 1990ern von vielen Wienern auch „Shop-ron“ genannt, weil die dort gerne billig eingekauft haben. Ich sehe mittlerweile das Spielfeld wieder, Sturm führt bissige Angriffe, mehrere gefährliche Freistöße folgen, unsere neue Nummer Eins im Tor – sagen wir mal so – macht sich ganz gut und hält uns in der Partie, alles in allem ist das Spiel von Rapid nicht berauschend, nicht einmal ansatzweise. In Ungarn war ich nur einmal in meinem Leben, und das auch nur auf Durchreise, die Grenzkontrolle ist ziemlich mühsam und penibel, das Land ziemlich weit und schön.

Szántó wird ausgetauscht und ich frage mich wieder einmal, warum wir Rapidfans im Gegensatz zu früher weniger Einzelapplaus für Spieler, die ausgetauscht werden, geben, aber vielleicht kommt mir das auch nur so vor. Abpfiff, die „Merkur“-Arena, wie das ehemalige Arnold-Schwarzenegger-Stadion seit Neuestem heißt, leert sich. In der Heimstätte von Sturm hat man auch umgebaut und Sachen erneuert. Was genau, bleibt dem unwissenden Stadionbesucher ziemlich verborgen, vor allem der Gästesektor ist gleich scheiße wie immer. Beim Bierausschank in der endlos langen Schlange lerne ich einen Typen aus Leibnitz kennen, er hat einen kleinen Fanklub, alle sind heute da, mit Kindern. Einmal haben Sturmfans ihn oder einen Freund verprügelt, es ist ziemlich laut und ich verstehe ihn schwer, jedenfalls haben es die Kinder mitansehen müssen, furchtbar, er schüttelt den Kopf. Draußen wartet die Heh, die Straßen sind gesperrt, wie immer. Der Leibnitzer Fanclub geht vorbei, Fahnen werden geschwungen. Während des Spiels haben einige Sturm-Anhänger über den Zaun auf die Unsrigen eingedroschen, unsere wehrten sich, dann kam eine Schwadron Ordner und schließlich auch die Kieberei daher. Hinter der Polizei stand ein rotgesichtiger Familienvater im schwarzweißen Trikot. Er zeterte wie halb wahnsinnig, schrie wüste Beschimpfungen herüber und zeigte seine fetten Mittelfinger. Ich setze mich auf meinen Drahtesel und komme diesmal unbeschadet nach Hause.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion von Forza Rapid.

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