Endlich wieder daheim

Sonntag, es ist geschätzt 02:15 Uhr: Nach einem langen Abend schaue ich mir die ersten Ausschnitte der Puls4-Übertragung an. Es lässt mir keine Ruhe. Ein historischer Tag ging zu Ende. Ein Tag, auf den wir alle mehr als 2 Jahre sehnsüchtig warten mussten.

Bereits am frühen Nachmittag, am Weg vom Parkplatz in Pfarrwiesengegend Richtung Stadion wird klar, dass wir wieder zuhause sind. Der Würstelstand in der Keißlergasse wirkt wieder belebt, ebenso wie das Optimahl bei unserer Einkehr. Die große Hütteldorfer Lokal-/Beislszene ist bis auf den letzten Platz gefüllt, bekannte Gesichter da und dort, die sich im Prater in den vergangenen zwei Jahren über das ganze Oval verstreut haben. Unvorstellbar, hätte Rapid anderswo als in Hütteldorf langfristig seine Zelte aufschlagen müssen. Erstaunliche Menschenmassen, es sind eben doch gut 10.000 Personen mehr, als ein volles Hanappi-Stadion am Ende aufnehmen konnte.

Erstaunt war ich auch, als ich zum ersten Mal den dicht besiedelten Block West betrat. Plötzlich waren wir auf einer rund 8.500 Plätze-fassenden Stehplatztribüne zu Hause anstatt auf einer Tribüne mit fix montierten Sitzen, die gerade einmal gut 2.500 Plätze fasste. Zur Kritik, dass der Sektor zu dicht besiedelt war: Das Gefühl hatte ich auch – jedoch kann ich nicht sagen, ob es daran lag, dass sich (zu) viele Leute eher in den unteren Reihen auf den Stufen platziert haben und dafür oben noch einiges frei war (durch die Steile ist hier die Sicht bei dieser Menge eher versperrt) oder ob es insgesamt einfach zu viele Personen waren. Ein faires Urteil kann ich daher nicht abgeben – aber wie es oft so ist: Es wird sich alles mit der Zeit einpendeln, die Geister scheiden sich diesbezüglich seit Samstag allerdings wohl zurecht, jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht.

Nachdem doch noch einige Stufen durch die Menge erklommen werden konnten, ließen sich rund 20 Minuten vor Spielbeginn sogar zwei Plätze finden. Zu dem Zeitpunkt bog Dr. Kurt Ostbahn mit seinem 57er Chevy gerade in die Zielgerade des Vorprogramms ein. Fredi Körner sorgte im Anschluss mit der alten, neuen Rapid-Hymne einmal mehr für Gänsehaut pur. Selbst für die Hartgesottenen sehr emotionale Minuten. Es folgt die offizielle Eröffnung mit dem Durchschneiden des Bandes und schon die ersten Gesänge des überdimensionalen Block West erzeugen erneute Gänsehaut, die im Laufe des Abends selten nachlässt.

Das Spiel selbst ist an diesem Tag zweitrangig. Dennoch wichtig, dass Rapid zur Stadioneröffnung einen Sieg holen konnte – gerade gegen einen Club wie Chelsea, der von seiner heutigen Struktur her mit Rapid nicht wirklich was gemein hat. Joelinton trug sich mit dem ersten Treffer der Kampfmannschaft rasch in die grün-weißen Geschichtsbücher ein und trifft wie schon im Cup gegen Karabakh sehenswert. Am Ende steht ein 2:0-Sieg auf der Habenseite, Premiere geglückt.

Auch nach Besuchen auf der Baustelle und eine Woche zuvor bei der Öffnung für Mitglieder wirkt alles noch sehr surreal, so wird es wohl vielen von uns ergehen. Nach dem ersten Besuch im Vollbetrieb ist das mehr als legitim. Wenn man mit Leuten spricht, die den Wechsel von der Pfarrwiese nach Hütteldorf miterlebt haben, so dürfte es damals für viele nicht anders gewesen sein. Noch in der Saison 1981/82 findet man im damaligen Rapid-Journal Texte, die die Fans von einer Akzeptanz der damals noch recht jungen Heimat überzeugen sollten. Man spricht ja nicht selten davon, dass das Hanappi-Stadion erst 1982 mit dem großen 5:0-Sieg gegen Wacker Innsbruck vor 25.000 Fans so richtig als Heimat angenommen wurde.

Der große Tag ging zu Ende, der Beginn einer neuen Ära wurde eingeleitet. Eine Ära, die hoffentlich auch bald wieder Titel mit sich bringt. Wir sind endlich wieder daheim.

 

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