Rapid-Eigengewächs Franz Hasil erreichte etwas, das kein Österreicher vor ihm geschafft hatte und den Herren Feiersinger und Alaba erst Jahrzehnte später wieder gelingen sollte – der damals 25-Jährige gewann am 6. Mai 1970 mit Feyenoord Rotterdam den Europacup der Landesmeister. Ein Rückblick auf eine herausragende Leistung und eine außergewöhnliche Karriere.

Ob 2. März 2010 oder 5. September 2016 – der Ort beider Interviews, die in diesem Text zusammenfließen, ist beinahe der gleiche: damals war es die Landstraßer Hauptstraße, dieses Mal die Praterstraße, beide Male aber eine Filiale der Traditions-Konditorei Aida, selbst nur 14 Jahre jünger als Rapid. „Die Aida hat es eigentlich immer schon gegeben“, erklärt Franz Hasil, „und der Kaffee schmeckt ausgezeichnet!“, vollendet der fit gebliebene 72-Jährige die Begründung für seine fast gleich bleibende Lokalwahl. Dass sein Hauptaugenmerk dem „Arbeiterkoks“ gilt und nicht den in der Vitrine schimmernden Süßspeisen, sieht man dem schlanken Fisch-Liebhaber an. Wie zur Bestätigung nimmt Hasil einen Schluck von seinem kleinen Braunen – genau der richtige Kick, damit der Mann mit den strahlend blauen Augen in die Vergangenheit abtauchen und funkelnde Schätze an die Oberfläche bringen kann.

Franz Hasil ist stolz darauf, der beste Spieler im Endspiel gegen Celtic gewesen zu sein. „Das ist nicht nur meine Einschätzung, das haben die Zeitungen so geschrieben. In Österreich war es verglichen mit den holländischen Helden-Geschichten ruhig, aber die Medien-Landschaft war damals ja auch verglichen mit heute eine verschlafene.“ Der britische Kommentator der knapp neunminütigen Spiel-Zusammenfassung (Youtube) bestätigt die Man of the Match-Theorien („Hasil, the best man of the match!“), und die Bilder lassen ihn nicht im Stich: In Hälfte 1 verzeichnete Hasil eine (mit Mühe parierte) Weitschuss-Bombe und leitete den Ausgleich zum 1:1 mit einem Freistoß ein. Im torlosen zweiten Durchgang knallte Hasil den Ball aus 20 Metern an die Stange. Im ersten Teil der Verlängerung ging sein Schuss von außerhalb des Strafraums haarscharf am rechten Eck vorbei, wenige Augenblicke vor dem Schlusspfiff schoss Hasil nach Kindvall-Pass aus rund sieben Metern an die Unterkante der Querlatte, der Ball sprang wieder ins Feld zurück. Egal, Hasils Vorlagengeber hatte Augenblicke zuvor den 2:1-Siegtreffer besorgt. Und so bestiegen Trainer Ernst Happel und seine Nummer 6 wenige Momente nach dessen Lattenpendler den Olymp des europäischen Vereinsfußballs. Vor Ajax oder PSV, damals als Feyenoord noch Feijenoord hieß. Die zwei Ex-Rapidler waren die ersten Österreicher, denen dieses Kunststück gelang. Doch während Happels Legendenbildung als Trainer gerade erst so richtig begonnen hatte, sollten seinem Schützling nach dem eben beschriebenen Gala-Auftritt nur mehr drei Saisonen bleiben, um seine Weltklasse zu untermauern. Zeit genug.

Franz Hasil war ein richtig großer Kicker und ein Kind Hütteldorfs. Davor feilte er in Schwechat an seinen Fertigkeiten: „Früher bin ich von der Schule nach Hause gekommen, hab’ mein Packerl weggehaut und draußen sechs, sieben Stunden Fußball gespielt. Teilweise bloßfüßig. Wir waren Baumkraxler, sind gesprungen und haben uns auf alle möglichen Arten bewegt. Das hat sich Jahre später positiv bezahlt gemacht.“ Als Zwölfjähriger machte der Has‘ drei Goals gegen Rapid. Robert Körner sah das und engagierte den Knaben vom Fleck weg. „Das Problem war die Entfernung, weil von Schwechat nach Hütteldorf war das eine Distanz wie heute von Wien nach New York. Damals gab es ja nur die Stadtbahn und die Straßenbahn. Ich wollte das aber unbedingt machen und mir die beinahe tägliche Tortur antun. Wegen Rapid! Der Verein hatte europaweit einen so großen Namen, dass ich auch ohne Geld dort gespielt hätte. Viel habe ich ja auch später ohnehin nicht bekommen, aber ich hätte auch für nichts dort gekickt.“

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