In der Ausgabe #2 der Hüttedorfer Revue hatten wir Carsten Jancker vor dem Aufnahmegerät. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:

Mitte der 1990er-Jahre war Carsten Jancker für eine knappe Saison eine der wichtigsten Figuren im Erfolgsspiel von Ernst Dokupil – der Ostdeutsche wurde als „Turban“ berühmt, erreichte den Meistertitel und ein Europacup-Endspiel. Beim FC Bayern wuchs sich seine Laufbahn zur Weltkarriere aus: Vier Meistertitel, ein Champions League-Sieg und der Vize-Weltmeistertitel legen davon Zeugnis ab. Inzwischen ist der Mann, dessen Rakete in Hütteldorf so richtig gezündet hat, wieder an seinen Startplatz zurückgekehrt, um im Stab der sportlich Verantwortlichen abzuheben.

Carsten Jancker

Carsten Jancker

Carsten Jancker ist zielstrebig, der geborene Aufsteiger. Der 1,93 Meter große Hühne kümmerte sich bei seiner Rückkehr zu Rapid um die Nachwuchsstürmer, avancierte binnen kürzester Zeit zum Nachwuchschef und stand zu Beginn des Jahres sogar kurz davor, als Sportdirektor nominiert zu werden. Helmut Schulte wurde dem 38-Jährigen zwar vorgezogen, aber schon wenig später tauchte Jancker an der Seite von Zoki Barisic auf der Trainerbank der Kampfmannschaft auf. Im Interview mit Forza Rapid erzählt der Nachwuchschef und Co-Trainer der Ersten in Personalunion von seiner Vielseitigkeit und der Mannigfaltigkeit seiner Aufgaben.

Carsten Jancker Jugendspieler, Foto: privat

Carsten Jancker Jugendspieler, Foto: privat

Die Trainingsinfrastruktur-Reform ist nun seit einem Jahr in Betrieb. Wie ist Ihr Resumee?

Die Situation hat sich deutlich verbessert. Wir haben mehr Plätze für die Akademie und kürzere Anfahrtszeiten. Das Internat ist in 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Durch die Pacht sind wir auch für die Rasenpflege und die Organisation der Plätze selbst zuständig. Wir können selbst entscheiden, wann und wo wir spielen – das hilft uns natürlich, Qualität zu sichern! Auch im Happel-Stadion haben wir mehr Plätze zur Verfügung. Wir haben dort Top-Bedingungen mit Rasenheizungen, die Kabinen werden noch umgebaut und erweitert. Profis und Amateure arbeiten jetzt enger zusammen.

Auf der Homepage sind keine Tabellen der Nachwuchs-Mannschaften online. Lässt sich daraus folgern, dass die persönliche Entwicklung wichtiger ist als der Tabellenplatz?
Auf den Nachwuchsseiten sind Verlinkungen zum ÖFB-Ergebnisdienst zu finden. Und ja, in erster Linie zählt nicht der Tabellenplatz, sondern die Ausbildung. Das eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun. Wenn ich eine gute individuelle Ausbildung hab‘, heißt das noch lange nicht, dass ich als Mannschaft darunter leide und unten rumspielen muss. Natürlich haben wir den Anspruch beim SK Rapid, im Nachwuchs immer um die Plätze 1 bis 4 mitzuspielen. Das Rausbringen von Profis zählt aber in jedem Fall mehr als der Tabellenplatz.
Gibt es so etwas wie eine geforderte Quote, wie viele Spieler in den Profibereich kommen müssen?
In eineinhalb Jahren haben wir acht Spieler aus dem Amateur- in den Profibereich gebracht. Das ist eine Menge! Drei sind oder waren weg, wurden verliehen, verkauft und auch wieder zurückgeholt. Wir sind auf einem guten Weg. Wir wollen dem Trainerteam plus Sportdirektor so viele Talente zur Verfügung stellen, dass sie auswählen können. Unsere Aufgabe ist es, die Talente vorzubereiten, damit sie auch die Möglichkeit haben, den Sprung zu schaffen. Dass dieses Ziel erreicht worden ist, zeigt sich jetzt mit den jungen Talenten Schaub, Wydra und Starkl. Alle sind schon in der Startelf gestanden, jeder hat seine Einsätze, alle haben ihr erstes Bundesligator erzielt. Sie sollen ihre Einsätze haben, sollen ihre Chancen haben, müssen diese aber auch nutzen. Keiner bekommt tausend Chancen! Es wär zu überlegen, ob man es nicht macht wie in Mainz: Dort können die Nachwuchskicker vormittags mit den Profis trainieren, sich an das Tempo gewöhnen und schauen, was ihnen noch fehlt. Drei Spieler fahren dort zweigleisig, diese Talentplätze sind fixiert und institutionalisiert. Viele Amateure haben das Problem des kurzfristigen Aufstiegs. „Jetzt bin ich dran, jetzt bin ich Profi. Ich kann da mitgehen!“ Im Training sehen sie dann: „Hoppala, das geht vielleicht doch nicht“. Die Schwierigkeit ist, die Jungs darauf vorzubereiten, dass sie in solchen Situationen auch funktionieren.
Können Sie die Schwierigkeiten des Sprungs von den Amas zu den Profis konkretisieren?
Die Fokussierung ist entscheidend, dass man auch dran bleibt, wenn der erste Schritt geschafft wurde. Einstellung und Geduld sind weitere wichtige Komponenten. Man hat es ja mit dem Sprung zu den Profis noch lange nicht geschafft! Ich will jene, die aktuell in dieser Situation sind, nicht in Frage stellen. Außerdem sind schon auch das Trainerteam der Profis und der Sportdirektor gefragt. Letztlich ist aber der Spieler selbst hauptverantwortlich dafür, ob er das Privileg, sein Hobby zum Beruf zu machen, erreicht. Auch der Lebenswandel ist entscheidend. Was kann ich als Spieler optimieren? Was fehlt mir noch? Wo kann ich mich verbessern? Die Gedanken sollten immer wieder um diese Fragen kreisen.
Der Gegenwind der Fanszene war in den letzten Jahren heftig, ging auch ins Persönliche. Werden Nachwuchsspieler drauf vorbereitet?
Wir konzentrieren uns zuerst auf den sportlichen Bereich, aber auch das Mentale hat seinen Platz. Mit unseren Talenten machen wir Medientrainings und in der Akademie haben wir einen Sportpsychologen, der nach unseren Vorstellungen arbeitet: Wie bereite ich mich auf ein Spiel vor? Wie gehe ich mit negativen Erlebnissen und Verletzungen um? Wir gehen aber nicht zu den Spielern und sagen ihnen, dass es schon vorkommen kann, dass die Fans gegen uns sind. Das ist überall so, das ist das Geschäft, das ist der Sport – dass, wenn es mal nicht passt, auch Gegenwind kommt.

Das gesamte Interview findet sich in Ausgabe #2 – hier im Shop

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