Pünktlich zum 100jährigen Derby-Jubiläum erschien 2011 diese großartige Festschrift. Die Herausgeber Schütz, Jacono und Marschik lassen darin insgesamt 27 Autoren die Geschichte des weltweit am zweithäufigsten ausgetragenen Stadtduells (nach dem Glasgower Old Firm) aufbereiten. Das Buch arbeitet sich dabei chronologisch durch die Jahrzehnte des Großen Wiener Derbys, beginnend mit der Suche nach dem Ursprung der Bezeichnung, die sich in den 1950er Jahren so richtig durchgesetzt hat.

Den einzelnen Jahrzehnten wird zunächst jeweils eine Zusammenfassung als Einleitung vorangestellt, ehe in kürzeren Beiträgen die Protagonisten unter die Lupe genommen werden. Während die Spielstätten hier für sich alleine beschrieben werden, werden die Spieler jeweils im Derby-Doppelpack vorgestellt – einem Rapidler wird also stets ein Austria-Pendant aus der gleichen Epoche gegenübergestellt. Zu den ausgewählten Pärchen gehören etwa Uridil & Schaffer oder Binder & Stojaspal, die auch gleich die klassischen Klischees vom typischen Rapidler beziehungsweise Austrianer bedienen. Die Charaktere der Führungsetagen der Vereine bleiben in den jeweiligen Beiträgen dann wieder jeder für sich.

Obwohl sicherlich jeder Autor eine gewisse Sympathie für einen der beiden Wiener Vereine verspürt, bleibt einem als Fan die klassische Derby-Empörung beim Lesen erspart. Auch dumpfe Polemiken kommen in Alles Derby! zu kurz und so ist selbst der Beitrag von Alfred Dorfer, sonst ja um keinen Seitenhieb auf uns Grüne verlegen, ist objektiv verfasst. Den Herausgebern ist es also erstaunlicherweise gelungen ein Buch für beide Seiten des Derbys zu verfassen! Dabei wird natürlich auch gerne mal romantisiert, ein „Ja, früher…“-Seufzer hängt dann auch über einzelnen Beiträgen, aber ohne dem kommt wohl kein Fußballbuch aus.

Unter den Autoren befinden sich übrigens auch drei Mitglieder der großen Forza Rapid-Crew. Forza-Godfather Gregor Labes verfasste den Beitrag über Ex-Präsident Rudolf Edlinger. Prof. Roman Horak, der unsere Revue mit seinen „Einwürfen“ bereichert, beschreibt die beiden ausgewählten Stars der 1920er Jahre Josef Uridil und Alfréd Schaffer und Rapid-Archivar Gerald Pichler war für den Beitrag über Rapids Konkurs (Rapid am Abgrund) verantwortlich.

Das größte Highlight des Buches sind aber die über 300 Bilder. Das Nasenreiberl von Kühbauer und Ogris hat jeder schon einmal gesehen, aber vor allem die älteren Photos dürften viele Leser in dem Buch zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Die voll besetzte Naturtribüne der Hohen Warte, die Simmeringer Had oder die Luftbilder des zweirangigen (1932) und dreirangigen (1960) Praterstadions ohne Dach wären da etwa beispielhaft. Mein persönliches Highlight ist aber ein Photo aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, auf dem zu sehen ist, wie die Derbybesucher mangels Brücke in Zillen zum anderen Ufer des Donaukanals chauffiert wurden. Dank der tollen Bilder ist dieses Buch auch nach vollendeter Lektüre immer wieder einen Griff ins Bücherregal wert.

Schütz,D. Jacono, M. Marschik (Hrsg.)

Alles Derby! 100 Jahre Rapid gegen Austria

Verlag Die Werkstatt GmbH, Göttingen 2011

 

 

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